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Süss, Johann Christian
1829-1900

Christian Süss arbeitete laut Lütgendorff als Hersteller einfacher Bogen in Mühlhausen bei Adorf, bis er sein Handwerk bei Chr. Friedrich Knopf ordentlich erlernte. 1852 wird er erstmals als Bürger und Bogenmacher in Markneukirchen erwähnt. Seine frühesten für uns greifbaren Bogen stammen allerdings erst aus der Zeit um 1870.

Diese TOURTE gestempelten Bogen bilden mit seinen später SUESS signierten Arbeiten eine nachvollziehbare Linie. Etliche Bogen mit derselben Handschrift, gestempelt W. H. HAMMIG LEIPZIG runden das Gesamtbild seiner späteren Schaffensperiode ab. Eine frühere Verbindung zur Werkstatt Weichold erscheint möglich, ist aber schwer nachweisbar.

Der erste abgebildete Bogen stammt aus der Zeit um 1870 und ist mit TOURTE gestempelt, was auch auf die Modellvorlage hinweist. Der Kopf wirkt aufrecht und etwas nach vorne gezogen, ganz im Stile eines späten F. X. Tourte. Lediglich die Kopfplatte ist zur Spitze hin stärker geschwungen. An der in der Regel oktagonal gehobelten Stange sind die Kanten deutlich abgerundet.

Die Bogenstange aus feinädrigem, dunklem Fernambukholz ist zur Mitte hin gebogen und wohlproportioniert. Die Kombination von ausgewogener Stangenarbeit und erstklassigem Material haben eine hervorragende Spieleigenschaft seiner Bogen zur Folge.

Der Frosch besticht durch klare Proportionen und präzise Ausführung. Besonders die sauber geschnittene U-förmige Gusche, der schräge hintere Winkel des Frosches und der einteilige, leicht geschweifte Zwickel sind typische Merkmale seiner Arbeit. Die Froschbahn ist in der Regel gestiftet.

Das Beinchen, meist etwas schmaler als das Stangenende gehalten, hat bis auf wenige späte Exemplare ein kleines U-förmiges Rändchen. Die Schraube hat ein breites Gewinde und ist kegelförmig angespitzt.

Der zweite Violinbogen, gestempelt SUESS, stammt aus seiner späteren Schaffenszeit. Er zeigt in allen Details dieselben Merkmale wie der vorher gesehene Bogen. Der Kopf wirkt weiterhin sehr aufrecht, nur die Kopfhinterseite ist etwas geschwungener gearbeitet. In den markant geschnittenen Fasen bleiben manchmal Feilspuren sichtbar, was aber die plastische Wirkung des Kopfes nicht beeinträchtigt.

Die hervorragend gehobelte, kantige Stange ist aus hellem, gelbbraunem Fernambukholz gefertigt. Diese Holzwahl treffen wir bei Bogen seiner späteren Schaffenszeit häufig an.

Der Frosch besticht abermals durch seine harmonischen Proportionen und seine weiche, aber dennoch markante Ausführung. Das dreiteilige Beinchen, wiederum schmaler als das Stangenende gehalten, hat nun ein kurzes Doppelrändchen.

Der abgebildete Cellobogen, ebenfalls mit TOURTE gestempelt, schließt sich sowohl stilistisch wie arbeitstechnisch an die vorher beschriebenen Violinbogen an. Lediglich die stärker verrundete Stirn des Kopfes weicht etwas von der Linienführung des Tourte-Modells ab. Frosch und Beinchen weisen dieselben Merkmale wie die Violinbogen auf.

Der hier abgebildete, neusilbermontierte Violinbogen trägt den Brandstempel SUSSE. Die bei diesem Beispiel auffallend runde Kopfhinterseite wie auch andere kleine Details lassen die Mitarbeit von seinem Enkel August Nürnberger-Süss erahnen.

Dieser stand seinem Großvater Christian Süss in den letzten fünf Lebensjahren zur Seite, dessen Sehkraft laut Zeitzeugen im hohen Alter stark nachgelassen hatte.

Carl Süss (1860-1898), Sohn von Christian Süss und ebenfalls Bogenmacher, war bereits sehr früh nach Montevideo, Uruguay, ausgewandert und dort 1898 verstorben.